Karfreitag: Wenn das Wort Gottes selbst predigt

Gottesdienst vom 03.04.2026 | Prediger: Georg Messerschmidt

Ihr habt alle anderen Interessen zurückgestellt und seid hierhergekommen zum Gottesdienst. Ich muss feststellen, dass dies seit längeren Jahren eigentlich der wichtigste Gottesdienst ist. Zusammen mit dem Sonntag sind das die zwei Tage, wo man eigentlich in die Gemeinde, in die Kirche gehen sollte. Ihr habt das wahr gemacht, ihr habt das richtig eingeordnet, ihr seid da. Aber an diesem Tag – ich weiß nicht, wie es in anderen Ländern ist – werden in Deutschland wahrscheinlich am wenigsten Gottesdienste besucht.

Es ist Karfreitag. Manche interpretieren in Deutschland dieses „Kar“ heute etwas anders. Es gibt heute „Car Tuning“ an diesem Tag. Ich glaube, in Düsseldorf oder in Hannover trifft sich so eine Gemeinschaft, und da kommen viele Hunderte mit all ihren getunten Autos und jeder stellt sein Tuning vor. Wer hat das lauteste, wer hat das schnellste Auto, wessen Auto beschleunigt am schnellsten? Manche Abteilungen gibt es da, wo gefragt wird: Wer hat die größten Boxen, das lauteste Auto mit der größten Hifi-Anlage?

Dann gibt es noch ein „Car Racing“. Da treffen sich Leute mit getunten Ferraris, Lamborghinis und Porsches und sie rasen tatsächlich durch Deutschland. Die Polizei hat haufenweise zu tun. Es bietet sich ja auch an, die Autobahn ist ziemlich leer, man kann da endlich die Autos ausfahren und Gas geben ohne Ende. Also Car Racing am Karfreitag.

Mit einem kleinen Unterschied: Dieses Racing-Car bedeutet Auto und schreibt man mit C. Dieses „Kar“, weswegen wir da sind, ist mit K geschrieben. Und dieses Wort kommt interessanterweise eigentlich nur in Deutschland mit K vor. Es kommt aus dem Althochdeutschen. Ich habe nachgelesen – Google macht’s möglich. Im Altdeutschen bedeutete „Kara“ das, was wir heute als Trauer bezeichnen. Es ist ein Trauertag.

Zwischen Trauer und Freude

Ich bin persönlich in meinen Empfindungen und Gefühlen etwas gespalten. Soll ich traurig sein oder soll ich mich freuen? Wenn man fragt, ob es möglich ist, zwei Gefühle gleichzeitig zu haben – traurig und freudig – sagen wir oft: Naja, man kann nicht gleichzeitig freudig und traurig sein. Aber irgendwie müssen wir diesen Spagat hinbekommen. Es ist doch möglich, der Herr hat es uns ermöglicht.

Über meine Sünden, die mir vergeben wurden, freue ich mich. Aber für das, was vorgefallen ist, bin ich traurig. Seit der Schöpfung, seit es Menschen in diesem Universum gibt, hat der Herr auf die Menschen geschaut. Er hat einen Plan geschaffen und den Entschluss gefasst, etwas für uns zu tun, um uns zur Erlösung zu führen. In diese Situation der Erlösungsbedürftigkeit sind wir durch unseren Ururur-Großvater und unsere Ururur-Großmutter hineingekommen. Die „bösen“ Adam und Eva. Wer weiß eigentlich, wie Eva zuallererst hieß? Zuerst hieß sie eigentlich Zoe, das Leben. Die Lebende, die Lebenbringende. Aber bleiben wir bei Eva, das macht es etwas einfacher.

Sie haben es irgendwie verbockt. Aber interessanterweise haben es alle Generationen nach Adam und Eva nicht besser gemacht. Sie haben es nur noch schlimmer gemacht, bis heute. Anstatt in die Gemeinde zu gehen, in das Haus Gottes, wird Gas gegeben: Car Racing, Car Tuning und sonstige Sachen.

Jesaja 53: Von Schuld und Sünde

Ich habe in der Bibel gelesen, was dieser Tag für uns heute eigentlich bedeuten soll. Und das möchte ich euch vorlesen. Lange Zeit, bevor Jesus als Mensch auf die Erde kam, hat der Prophet Jesaja prophezeit, dass dies passieren wird. In Jesaja 53 ab Vers 4 steht eine interessante Passage:

„Fürwahr, er trug unsere Krankheit und lud auf sich unsere Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.“

Interessanterweise versetzte sich Jesaja hier in die Zeit, als das genau passierte, und beschrieb das, was die Menschen dachten, als er gerade am Kreuz hing. Er identifizierte sich mit ihnen. Und es stimmte ja auch: Er war geplagt und er war auch gemartert. Dann, in Vers 5, heißt es weiter:

„Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt. Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der Herr warf unser aller Sünde auf ihn.“

Wer diese Bibelstelle genau liest, dem fallen zwei interessante Sachen auf, die hier genannt werden: die Schuld (oder Missetat) und die Sünde. Die Schuld nahm er auf sich. Und wegen der Sünde wurde er zerschlagen. Sie hatten ihn getötet. Zwei unterschiedliche Sachen: Schuld und Sünde. Das ist vielleicht mal ein Thema für eine eigene Predigt oder ein ganzes Lehrseminar.

Wenn die Worte fehlen

Ihr Lieben, als ich diese Bibelverse so gelesen habe, dachte ich mir: Was soll ich euch heute eigentlich predigen? Ich habe das Problem, das heute richtig emotional rüberzubringen. Wie kann ich das? Ich werde es niemals schaffen. Gut, ich weiß, was Kopfschmerzen sind. Ich weiß vielleicht, was in einem vorgeht, wenn man krank ist. Aber ich weiß nicht, womit ihr alle so geplagt seid. Alle Krankheiten, sagt die Bibel, sind auf ihn geladen worden. Ich kann das, selbst wenn ich wollte, nicht nachempfinden.

Ich weiß, ich habe viel gesündigt in meinem Leben, glaubt mir, ich sündige jeden Tag. (Danke, dass ihr Nachsicht mit mir habt und dass ihr mich trotzdem euer Pastor sein lasst.) Alle Sünden seit Anbeginn, seit Adam und Eva, alles Gesammelte und auch in Zukunft noch Kommende, wurde vom Vater im Himmel auf Jesus vor 2000 Jahren geworfen. Wie können wir das jemals mit unseren Gefühlen ermessen? Wie können wir das begreifen? Völlig unmöglich. Wenn ich das selbst sühnen müsste, würde mein Leben alleine nicht ausreichen, um das abzuarbeiten. Absolut unmöglich. Und er hat die Schuld von Milliarden Menschen, die gelebt haben und die noch leben werden bis zu Jesu Wiederkunft, auf sich genommen. Wie kann ich darüber noch predigen?

Mir fehlen die Worte. Deshalb hat der Herr gesagt: Lass mein Wort predigen. Dieses Wort wird es besser ausdrücken, als ich das jemals könnte.

Die Bibel predigt: Das Matthäusevangelium

Anstatt einer normalen Predigt soll heute das Wort Gottes selbst predigen. Wir haben gemeinsam aus dem 27. Kapitel des Matthäusevangeliums gehört, wie Jesus an den Statthalter Pontius Pilatus überliefert wurde. Wie Judas seine Tat bereute, wie das Volk die Freilassung des Barabbas forderte und rief: „Lass ihn kreuzigen!“ Wir haben gehört, wie Jesus verspottet, mit einer Dornenkrone gekrönt und nach Golgatha geführt wurde. Wir hörten von der Kreuzigung zwischen den Räubern, der Finsternis, seinem letzten Schrei „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ und seinem Tod, der die Erde erbeben und den Vorhang im Tempel zerreißen ließ. Und schließlich von seiner Grablegung durch Josef von Arimathäa.

Das war die Predigt der Bibel heute. Ich danke dem Herrn, dass er uns dieses Wort geschenkt hat. Ich möchte dem eigentlich nichts mehr hinzufügen.

Eine Einladung für zu Hause

Ich möchte mich bedanken, dass ihr gekommen seid, um diese Botschaft in dieser Atmosphäre in euch aufzunehmen. Um euch zu erinnern, was heute, an diesem Tag, geschah. Das geschah nicht nur für irgendjemanden, es geschah für dich und für mich. Dieser Jesus hat sich hingegeben. Er wurde mit meiner Schuld geplagt und durch meine Sünde zerschlagen.

Lasst uns dessen bewusst sein. Es ist nun Nachmittag, ungefähr die Zeit, zu der das Ganze damals passiert ist. Ich freue mich auch schon auf den Sonntagsgottesdienst, denn da ist diese Geschichte nicht zu Ende. Die Geschichte kommt am Sonntag in Erfüllung.

Ich weiß, ihr hattet vielleicht eine völlig andere Predigt erwartet, aber heute hat die Bibel gepredigt. Das vom Himmel her inspirierte Wort. Nehmt dieses Evangelium mit nach Hause. Schlagt es heute ausnahmsweise noch einmal zu Hause auf. Es gibt das in allen vier Evangelien, jeder Schreiber hat es aus seiner Sicht festgehalten. Lest alle vier Versionen durch, dann ergibt sich ein rundes Gesamtbild von dem, was am Karfreitag („Good Friday“) wirklich passiert ist. Der Herr wird zu euch reden.

Eine besondere Seder-Tradition zum Abschluss

Bevor wir nach Hause gehen, um den Tag auf uns wirken zu lassen, haben wir noch etwas vor. Wir haben gestern in unserem Hauskreis einen jüdisch-messianischen Seder-Abend gefeiert und dabei auch über das Abendmahl nachgedacht. Da lagen drei ungesäuerte Matzenbrote übereinander. Es heißt: Er nahm das Brot nach dem Mahl, dankte und brach es.

Das mittlere dieser drei Brote wurde gebrochen. Im Rahmen der Seder-Feier wird dieses Stück dann versteckt, was auch symbolisiert, dass Jesus aus der Stadt herausgenommen und begraben wurde. Dieses versteckte Stück, der sogenannte Afikoman, wird bei der Seder-Feier dann von den Kindern gesucht. Wer es findet, bekommt vom Hausvater ein Geschenk.

Wir hatten die ganz spontane Idee, dieses Matzenstück heute hier im Gottesdienst zu verstecken. Es ist in ein weißes Säckchen eingewickelt. Das Matzenstück ist durchbohrt, es hat Löcher und Streifen, wie Striemen. „Die Strafe lag auf ihm, damit wir Frieden hätten. Durch seine Striemen sind wir geheilt.“

Ich lade euch jetzt ein: Geht doch einmal hier im Raum herum. Wer es findet, bekommt ein Geschenk. Viel Spaß bei der Suche! Denkt dabei an das Geschehen, von dem wir eben gelesen haben. Der Herr segne euch, liebe Gemeinde.

(Transkribiert und zusammengefasst von KI)

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