Pfingsten: Die Umkehrung von Babel

Gottesdienst vom 24.05.2026 | Prediger: David Messerschmidt

Die Trennung der Nationen und das Geheimnis der Feuerzungen

Im früheren Teil der Bibel wird die Geschichte erzählt, wie Gott die Nationen voneinander schied. Er hat sie zerteilt. In der griechischen Version der Bibel ist das exakt das gleiche Wort für „zerteilen“, wie es für diese Feuerzungen verwendet wird, die sich an Pfingsten zerteilten. Das kann ein Zufall sein, aber das merken wir uns schon einmal. Israel ist Gottes Teil, und vom Rest hatte er sich getrennt.

Wenn wir uns die Ereignisse in der Apostelgeschichte ansehen, finden wir ein zweites wichtiges Wort. Dort heißt es, dass die Menschen von den Nationen – die Juden in dem Fall, die aus den Nationen zusammengekommen waren – verwirrt waren. Dieses Wort für „verwirrt“ taucht an einer anderen, sehr bekannten Stelle in der Bibel auf: in Genesis 11.

Der Turmbau zu Babel: Ein Volk, eine Sprache und die Verwirrung

Es ist die Geschichte vom Turmbau zu Babel. Lesen wir sie uns einmal gemeinsam durch:

„Als nun die Bewohner der Erde aber hatten eine Sprache und dieselben Worte. Als sie nun von Osten aufbrachen, fanden sie eine Ebene im Land Sinear und ließen sich dort nieder. Und sie sagten zueinander: Auf, wir wollen Ziegel formen und sie hart brennen. So dienten ihnen die Ziegel als Baustein und der Asphalt diente ihnen als Mörtel und sie sagten: Auf, wir wollen eine Stadt bauen und einen Turm, dessen Spitze bis an den Himmel reicht. Und uns so einen Namen machen, damit wir uns nicht über die ganze Erde zerstreuen.“

Doch die Geschichte geht weiter:

„Da stieg der Herr herab, um die Stadt zu besehen und den Turm, den die Menschen bauten. Und der Herr sprach: Siehe, alle sind ein Volk und haben eine Sprache. Und dies ist erst der Anfang ihres Tuns. Nun wird ihnen nichts mehr unmöglich sein, was immer sie sich zu tun vornehmen. Auf, lasst uns hinabsteigen und dort ihre Sprache verwirren.“

Hier ist es wieder, das gleiche Wort wie in der Apostelgeschichte bei den Menschen, die „verwirrt“ waren. Auch das könnte wieder ein Zufall sein. Aber diese beiden Worte – einmal die Feuerzungen, die auf die Jünger gekommen sind und „zerteilt“ waren, während in Babel die Nationen zerteilt wurden; und die Menschen an Pfingsten, die „verwirrt“ sind von dem, was sie hören, während in Babel die Menschen von Gott verwirrt werden – diese zwei Worte werden ganz selten in der Bibel benutzt. In Kombination in einer Geschichte kommen sie nur in der Apostelgeschichte und bei Babel vor.

Lukas will uns damit sagen: Diese beiden Geschichten hängen zusammen.

In Babel zerstreute der Herr die Menschen, die den Turm gebaut haben. Er hielt sie davon ab, ihre Stadt zu bauen, indem er ihnen fremde Sprachen gab. Darum nannte man die Stadt Babel, denn dort hat der Herr die Sprachen aller Bewohner der Erde verwirrt und von dort hat er sie über die ganze Erde zerstreut. Hier werden die Zusammenhänge zwischen Babel und Pfingsten deutlich. Lukas versucht, uns an genau diese Parallele zu erinnern.

Pfingsten: Das Echo von Babel

Was passiert also in der Apostelgeschichte? Die Jünger sitzen zusammen, feiern einen Gottesdienst, und der Heilige Geist bricht über sie herein. Sie beginnen, in fremden Sprachen zu beten. Draußen auf den Straßen findet gerade ein internationales Fest statt. Viele Menschen sind unterwegs, in diesem Fall zum jüdischen Fest Schawuot, dem Fest der Gesetzgebung.

All diese Menschen hören plötzlich, wie drinnen laut Lobpreis gemacht und gebetet wird. Sie denken sich: Was ist denn da los? Die Syrer hören, dass auf Syrisch gebetet wird, die Araber hören Arabisch, und Menschen aus anderen Regionen hören Gebete in ihren jeweiligen Sprachen. Genau das ist passiert.

Es ist das exakte Gegenstück zu Babel. Damals kamen die Menschen zusammen, um einen Turm zu bauen, und Gott sagte: „Nein, das geht nicht. Die machen es nämlich ohne mich.“ Er zerteilte, zerstreute und verwirrte sie mit fremden Sprachen über die ganze Welt.

Wie geht es nun in der Apostelgeschichte weiter, nachdem die verwirrten Menschen das mitbekommen?

„Parther und Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, von Judäa, Kappadokien, von Pontus und der Provinz Asien, von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten, von den Gegenden Kyrenes in Libyen und die hier weilenden Römer, Juden und Proselyten, Kreter und Araber – wir alle hören sie in unseren Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie waren fassungslos und ratlos und fragten einer den anderen: Was soll das bedeuten? Andere aber spotteten und sagten: Sie sind betrunken.“ (Apostelgeschichte 2, 9-13)

Die Rückkehr aus dem Exil und das Wunder der Sprachen

Das ist die Liste der Nationen von Pfingsten, die bekannte Welt der damaligen Zeit. Aus all diesen Orten rund um das Mittelmeer und weit darüber hinaus waren Juden nach Jerusalem gekommen. Und all diese Juden bekamen mit, was die Jünger beteten – und zwar in ihrer eigenen Sprache. Es war ein riesiges Wunder. Jeder hörte in seiner Muttersprache das Evangelium von den großen Taten Gottes.

Wenn wir über die Geschichte der Israeliten nachdenken: Sie hatten ihr Königreich, und ständig kam ein Prophet nach dem anderen und warnte: „Leute, ihr betet fremde Götter an, hört auf damit! Gefahr!“ Aber die Israeliten hörten nicht. Die Propheten warnten: „Gott wird uns ins Exil schicken, wenn wir so weitermachen.“ Der Teufel dachte sich wahrscheinlich: „Jawohl, ich schicke sie alle weg, sie werden zerstreut und Gott hat kein Volk mehr.“

Gott tat es tatsächlich. Er ließ sein Volk über die ganze Welt zerstreuen. Aber nun, an Pfingsten, kommen all diese Juden aus dem Exil zusammen, um das alte Gesetz, die Tora, zu feiern. Aus jedem Ende der Welt reisen sie an und hören die Jünger von den großen Taten Gottes reden – auf Arabisch, Persisch, Mesopotamisch, Ägyptisch und in allen möglichen anderen Sprachen.

Gott hat die Nationen, die in Babel geteilt und zerstreut wurden, nach Hause gebracht. Er hat sie nach Jerusalem gebracht, und jeder durfte das Evangelium in seiner Sprache hören.

Vom Gesetz des Todes zum Gesetz des Lebens

Dann stellt sich Petrus hin und predigt das Evangelium von Jesus Christus, der gestorben und wieder auferstanden ist. Er predigt, dass wir nun Gnade, Barmherzigkeit und ewiges Leben in ihm haben. An diesem Tag nahmen 3.000 Menschen aus all diesen Nationen das Evangelium an.

Sie waren zusammengekommen, um das alte Gesetz zu hören – ein Gesetz, das letztlich den Tod brachte. Stattdessen hören sie in ihrer eigenen Sprache das Gesetz des Lebens, das Evangelium von Jesus Christus. Zur Zeit von Mose, als das Gesetz gegeben wurde, starben 3.000 Menschen. Als an Pfingsten das Gesetz des Lebens durch Jesus gegeben wird, bekehren sich 3.000 Menschen.

Und was machen diese Menschen, nachdem das Fest Schawuot vorüber ist? Sie gehen nach Hause und nehmen diese Botschaft mit. Überall auf der bekannten Welt entstehen kleine Feuerchen, kleine Gemeinden. Damit begann später auch der Dienst von Paulus, der all diese neu entstandenen Gemeinden bereiste, sie belehrte und aufbaute.

Der Teufel dachte, mit dem Exil sei es endgültig vorbei. Aber Gott wusste von Anfang an, dass er durch dieses Exil die ganzen Nationen erreichen würde. Gott erreichte die Menschen nicht durch Kreuzzüge oder Eroberungen, sondern er nutzte das Exil. Aus dem Schlimmsten heraus holte er sein zersplittertes Volk zusammen, ließ sie sein Evangelium hören und sandte sie in die ganze Welt. Plötzlich hatte die gesamte Welt, die keinen Zugang mehr zu Gott gehabt hatte, wieder Zugang durch das Evangelium, durch das, was an Pfingsten passierte.

Der Heilige Geist zieht ein: Wir sind der neue Tempel

Was ist an Pfingsten passiert? Der Heilige Geist ist gekommen. Der Heilige Geist ist in jeden Einzelnen eingezogen. Der äußere Tempel wurde abgelöst. Dieses große, steinerne Gebäude wurde durch die Herzen jedes Einzelnen ersetzt.

Gott ist nicht mehr nur exklusiv in Jerusalem zu finden. Wer schon einmal dort war, spürt die Besonderheit dieses Ortes. Aber die Einschränkung, dass man in Jerusalem sein musste, um Zugang zu Gott zu haben, ist aufgehoben. Wir können heute Zugang zu Gott haben durch das, was an Pfingsten geschah: durch den Heiligen Geist, der jetzt gerade in jedem von uns wohnt.

In Babel hatte Gott sich von den Nationen getrennt. In Gelehrtenkreisen sagt man manchmal: „Gott hat sich von den Nationen scheiden lassen.“ Er sah, dass sie ihre eigenen Wege gehen und ihm ihre Bedingungen diktieren wollten. Er nahm sich einen Mann, Abraham, machte sich ein eigenes Volk, und der Rest der Menschheit verlor den direkten Zugang.

Dann schickte er sein Volk viele Generationen später ins Exil. Doch aus dem Exil explodierte eine Gemeindebewegung. Wo vorher Verwirrung und Sprachbarrieren herrschten, brachte der Heilige Geist Wiederherstellung. Durch den Heiligen Geist sind wir wieder eins. Wir haben wieder eine gemeinsame Sprache des Herzens und eine tiefe Einigkeit. Deshalb ist Pfingsten die Geburtsstunde der Gemeinde.

Eingepfropft in Israel: Die Geburtsstunde der einen Gemeinde

Natürlich gibt es heute verschiedene Konfessionen, aber die Bibel spricht von einer Gemeinde. Das Gesetz des Todes wurde gegen das des Lebens ausgetauscht. Es kam zuerst zu den Juden, aber durch sie wurde es in die ganze Welt getragen – zu den Griechen, zu den Heiden.

An Pfingsten wurden wir Heiden, die wir Fremde für Israel waren, mit hineingenommen. Es ist ganz wichtig zu verstehen: Wir sind nicht das „neue Israel“ geworden, das das alte ersetzt. Vielmehr wurden wir in Israel eingepfropft. Wir sind eins gemacht worden mit den Nationen in das Volk Gottes. Wir bringen unsere Herkunft mit, aber wir sind nun Teil des Volkes Gottes, mit dem neuen Gesetz des Lebens.

Der Aufruf zur Einigkeit: Ein Leib, ein Geist

Im Epheserbrief greift Paulus genau diesen Gedanken auf. Als jemand, der für seinen Glauben im Gefängnis sitzt, schreibt er:

„Ich bitte euch nun, denkt daran, dass Gott euch zum Glauben gerufen hat, und führt ein Leben, das dieser Berufung würdig ist. Keiner soll sich über den anderen erheben. Seid vielmehr einander gegenüber freundlich und geduldig und geht nachsichtig und liebevoll miteinander um. Setzt alles daran, die Einheit zu bewahren, die Gottes Geist euch geschenkt hat. Sein Frieden ist das Band, das euch zusammenhält. Mit Einheit meine ich dies: Ein Leib, ein Geist und genauso auch eine Hoffnung, die euch gegeben wurde als Gottes Ruf erging. Ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater von uns allen, der über alle regiert, durch alle wirkt und in allen lebt.“ (Epheser 4, 1-6)

Das ist Pfingsten. Eine Gemeinde, ein Leib, ein Gott, ein Vater, ein Geist, der uns alle international zu einer Familie macht. Deshalb ist es so wunderbar, wenn eine Gemeinde unfassbar international und vielfältig ist.

Unmittelbar nach diesen Versen über die Einigkeit spricht Paulus über die Geistesgaben. Diese Gaben, die an Pfingsten kamen, sollen genau dazu dienen: zur Einheit beizutragen. An Pfingsten wurde die Situation von Babel umgekehrt. Wir wurden bei Gott wieder eingelassen. Das ist das absolute Wunder von Pfingsten.

Was bedeutet das für unseren Alltag? Ein gemeinsames Gebet

Was bedeutet das jetzt für unseren Alltag? Es geht um das tiefe Herzensanliegen der Einigkeit. Einigkeit in der Gemeinde, in unserer Stadt, in unseren Familien. Diese wahre Harmonie gibt es nur durch den Heiligen Geist. Nur er kann uns zu einer wahren Gemeinschaft machen.

Lasst uns danach streben, eins zu werden und Gott immer näher zu kommen. Lasst uns feiern, dass wir uns zum Volk Gottes zählen dürfen. Es ist ein Vorrecht. Nicht wir haben es getan, sondern Gott. Wir sind so weit weg von Jerusalem, und doch ist Gott uns durch seinen Geist so nah.

Wir gehören zusammen. Auch wenn unsere Glaubensgeschwister manchmal aus einem anderen kulturellen Hintergrund kommen, eine andere Bibelübersetzung lesen oder Dinge etwas anders sehen. Wir dürfen Auseinandersetzungen haben, aber wir müssen eins bleiben im Heiligen Geist. Das ist das Wunder von Pfingsten.

Deshalb wollen wir gemeinsam beten, im Geist von Pfingsten, um diese Gemeinde und unsere Stadt zu segnen:

Herr, wir danken dir von Herzen für alles, was du getan hast. Danke, dass du diese Gemeinde segnest. Danke für deine Barmherzigkeit und deine Gnade. Wir bitten dich, komm und vereine uns noch mehr, damit wir wahrhaftig eine einzige Gemeinde, eine verbundene Gemeinschaft sind. Lass uns ein Zuhause sein für Menschen, die auf der Suche sind, damit die Heimatlosen hier ein neues geistliches Zuhause finden. Wir loben dich und erheben deinen Namen. Segne alle Menschen in dieser Kirche und segne diese ganze Stadt. Lass diese Stadt durch uns und durch alle anderen christlichen Gemeinden hier gesegnet sein. Vereine die Gläubigen dieser Stadt im Geist von Pfingsten, im Geist des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes, damit viele Menschen Heilung und Frieden finden. Amen.

Wer noch Gebet braucht, ist am Ende herzlich eingeladen, zum Gebetsteam zu kommen. Ansonsten lasst uns in Einigkeit zusammenkommen, in Einigkeit Gemeinschaft haben und diese Zeit zusammen genießen. Amen.

(Transkribiert und zusammengefasst von KI)

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