Der König kommt – Advent zwischen Erwartung und Erfüllung
Gottesdienst vom 21.12.2025 | Prediger: Roland Klement
Noch einmal: guten Morgen. Und von mir aus auch herzlich willkommen.
Ich nehme mir noch einen kurzen Schluck – das erlaube ich mir jetzt einfach selbst.
Wir haben gerade gesungen: Der König kommt.
Und genau darüber möchte ich heute mit euch sprechen: Wie ist das eigentlich, wenn der König kommt?
Macht die Tore weit
Am 1. Dezember habe ich meinen Wandkalender umgeblättert. Auf dem neuen Blatt stand ein Vers aus Psalm 24:
„Macht die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehren einziehe.“
Daneben war ein Bild vom Goldenen Tor in Jerusalem – dem einzigen Stadttor, das bis heute verschlossen ist. Seit 1541 ist es zu. Sultan Süleyman der Prächtige ließ es schließen, aus Angst, der jüdische Messias könne eines Tages genau durch dieses Tor einziehen. Zusätzlich wurde davor ein muslimischer Friedhof angelegt – denn man meinte: Über Gräber geht kein Messias.
Dieses verschlossene Tor ist voller Symbolik.
Und genau dieser Psalmvers findet sich auch in einem alten Adventslied wieder:
Macht hoch die Tür, die Tor macht weit;
es kommt der Herr der Herrlichkeit…
Ein Lied aus dem 17. Jahrhundert, bis heute eines der bekanntesten Adventslieder.
Aber warum eigentlich Adventslied?
Was bedeutet Advent?
Advent – das heißt Ankunft.
Im Lateinischen: Adventus. Im römischen Reich meinte das die Ankunft eines Königs oder Kaisers.
Im Griechischen: Epiphania – Erscheinung.
Advent ist also Erwartung. Vorbereitung. Wachsein.
Natürlich denken wir zuerst an Weihnachten: an das Kind in der Krippe. Vier Sonntage vor Heiligabend, Vorfreude, Traditionen, Adventskalender, gespannte Kinder, die fragen: Wann ist es endlich so weit?
Ich arbeite als Erzieher und Heilpädagoge in einer Kita – und diese Erwartung ist dort jeden Tag spürbar. Die Kinder können sich freuen wie kaum jemand sonst.
Aber Advent hat zwei Dimensionen:
- Die erste Ankunft Jesu – Gott wird Mensch.
- Die zweite Ankunft Jesu – wenn er wiederkommt am Ende der Zeiten.
Diese vierwöchige Adventszeit gibt es übrigens erst seit dem 7. Jahrhundert, festgelegt von Papst Gregor dem Großen.
Advent ist also eine Zeit hingebungsvoller, freudiger Erwartung.
Jesus sagt:
„Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.“ (Lk 21,28)
Und Jesaja ruft:
„Bereitet dem Herrn den Weg… siehe, er kommt gewaltig.“ (Jes 40)
Psalm 24 – Der König der Herrlichkeit
Psalm 24 ist die Grundlage für das Lied „Macht hoch die Tür“.
Ich lese ihn hier sinngemäß zusammengefasst:
Die Erde gehört dem Herrn – und alles, was auf ihr lebt.
Er ist der Schöpfer, der Begründer, der Eigentümer von allem.
Dann kommt die entscheidende Frage:
Wer darf den Berg des Herrn besteigen?
Wer darf an seiner heiligen Stätte stehen?
Wer darf diesem König begegnen?
Die Antwort ist klar und herausfordernd:
Menschen mit reinen Händen und reinem Herzen.
Die ihre Seele nicht auf Nichtiges richten und keinen falschen Eid schwören.
Hier geht es um das Äußere (die Hände) und das Innere (das Herz).
Der Zugang zum König
Jetzt wird es persönlich:
Bin ich jemand, der Zugang zum Thron der Gnade hat?
Bist du es?
Der „Passierschein“ ist nicht Leistung oder Moral.
Der Passierschein ist Erlösung durch die Gnade Jesu Christi.
Reine Hände – das bedeutet: Ich bringe mein Leben vor Gott, bekenne Schuld, lasse mich reinigen.
Reines Herz – das bedeutet: Ich prüfe meine Motive, meine Ausrichtung, meine Sehnsüchte.
Psalm 51 betet:
„Schaffe in mir, Gott, ein reines Herz…“
Und Paulus schreibt:
„Ich will, dass die Menschen heilige Hände aufheben im Gebet.“ (1. Tim 2,8)
Advent heißt: bereit werden.
Gerechtigkeit aus Gnade
Wir kommen nicht mit eigenen Verdiensten vor Gott.
Wir kommen bekleidet mit der Gerechtigkeit Jesu.
Paulus schreibt im Römerbrief:
„Ohne Verdienst werden sie gerecht durch seine Gnade – aufgrund der Erlösung in Christus Jesus.“
Und weiter:
„Wen Gott berufen hat, den hat er gerecht gemacht;
und wen er gerecht gemacht hat, der hat Anteil an seiner Herrlichkeit.“
Wer das glauben kann, hat Zugang.
Öffnet euch, ihr uralten Tore
Wenn der Psalm sagt:
„Erhebt eure Häupter, ihr uralten Tore…“
dann geht es nicht nur um Herzen oder weltliche Türen.
Es geht um die Tore des himmlischen Tempels.
Der Wächter fragt:
Wer ist dieser König der Herrlichkeit?
Die Antwort:
Der Herr, stark und mächtig.
Der Herr der Heerscharen.
Jesus ist der, der unsere Kämpfe kämpft.
Der stärker ist als Schuld, Tod und Hölle.
Der Sieger ist.
Advent heißt: Jesus willkommen heißen
Jesus kam demütig – auf einem Esel.
Er legte seine Herrlichkeit ab, wurde ein Kind in Windeln.
Er predigte das Reich Gottes.
Er starb stellvertretend für uns.
Er ist auferstanden.
Er ist zum Vater zurückgekehrt.
Und wir warten auf seine Wiederkunft.
In Offenbarung 19 wird er beschrieben:
nicht mehr auf einem Esel, sondern auf einem weißen Pferd,
als König der Könige, Herr aller Herren.
Eine Einladung
Der Dichter Angelus Silesius schrieb:
„Wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren
und nicht in dir – du bliebst doch ewiglich verloren.“
Advent ist Einladung.
Heute. Jetzt.
Willst du Jesus als deinen persönlichen Herrn und Retter annehmen?
Dann sag innerlich Ja.
Der Himmel jubelt über jeden, der umkehrt.
Gebet
Danke, Jesus,
dass du uns einlädst, dich zu erwarten.
Als wiederkommenden König voller Kraft und Herrlichkeit.
Danke für deine Gnade, für Vergebung, für Erlösung.
Mach unsere Hände rein, unsere Herzen bereit.
Wir öffnen dir die Tore.
Komm und zieh ein.
Amen.
Der König kommt. Hosianna.
(Transkribiert und zusammengefasst von KI)
