Ruach: Wenn der Heilige Geist uns aus dem Häuschen bringt
Gottesdienst vom 07.06.2026 | Prediger: Georg Messerschmidt
Wir kommen gerade aus der Pfingstzeit. Was genau ist zu Pfingsten passiert? Was feiern wir da bei uns? Den Heiligen Geist, das Kommen des Heiligen Geistes. Seit Pfingsten leben wir in der Zeit des Heiligen Geistes. Natürlich immer zusammen mit Jesus. Heiliger Geist ohne Jesus funktioniert nicht, die beiden waren schon immer zusammen. Aber jetzt verlagert sich die Zeit des Heiligen Geistes natürlich ein wenig anders.
Dazu gibt es zwei wunderbare Bibelstellen. In Johannes 16,7 sagt Jesus: „Doch glaubt mir, es ist gut für euch, dass ich weggehe.“ Also in den Himmel zack, da weggebeamt werde. „Denn wenn ich nicht von euch weggehe, käme der Helfer nicht zu euch. Wenn ich aber hingehe, werde ich ihn zu euch senden.“
Genau das ist passiert: An Pfingsten ist dieser Heilige Geist gekommen. Und der Heilige Geist vertritt Jesus. Er bringt alles, was Jesus vorbereitet und erdacht hat. Er vollbringt die Werke Jesu Christi auf dieser Erde. Wer sagt Amen? Amen!
Die Taufe mit Geist und Feuer
Der zweite Bibelvers, den wir uns anschauen müssen, stammt von Johannes dem Täufer. Er erklärte damals vor allen – und das war kurz bevor Jesus überhaupt zu ihm gekommen ist, nur ein paar Augenblicke vorher: „Ich taufe mit Wasser, aber es kommt einer, der stärker ist als ich, und ich bin es nicht einmal wert, ihm die Riemen seiner Sandalen zu lösen. Er wird euch mit dem Heiligen Geist und mit Feuer taufen.“
Das hört sich doch vielversprechend an! Jesus ist in den Himmel gegangen, hat den Heiligen Geist geschickt und er tauft mit Feuer. Übrigens, das deutsche Wort „Taufe“ ist sehr interessant. Jeder von euch hat ein Bild oder eine Vorstellung davon, was eine Taufe ist. Wenn wir das nächste Mal darüber reden, werden wir sehen: Taufe bedeutet oft etwas ganz anderes oder umfasst noch viel mehr, als wir denken. Es ist auch hochinteressant, woher dieses deutsche Wort „Taufe“ überhaupt stammt.
Guten Morgen, Heiliger Geist – Die ständige Gegenwart
Seit Pfingsten ist der Heilige Geist aus der Gemeinde nicht mehr wegzudenken. Die Frage ist nur: Wir lesen überall „Jesus“, und das stimmt absolut, ohne Jesus funktioniert nichts. Aber über den Heiligen Geist reden wir gar nicht so oft, oder? Dabei haben wir gelesen, dass Jesus selbst sagte: Es ist gut, dass ich weggehe, dann werde ich euch den Heiligen Geist senden, und er wird bei euch sein.
Jesus konnte damals als Mensch nicht gleichzeitig in Galiläa und in Jerusalem sein. Aber wisst ihr, wem das möglich ist? Dem Heiligen Geist. Er hat diese göttliche Eigenschaft, er kann das. Über diese Person des Heiligen Geistes müssen wir sprechen, damit wir ihn mehr kennenlernen. Wer von euch betet schon mal so: „Guten Morgen, Heiliger Geist“? Die meisten sagen „Guten Morgen, Jesus“. Ist es falsch, „Guten Morgen, Heiliger Geist“ zu sagen? Nein, denn der Heilige Geist ist tatsächlich gegenwärtig. Er ist einfach da.
Das offenbarte Geheimnis: Der Geist im Alten Testament
Heute möchte ich mit euch aber besonders auf das Alte Testament eingehen und auf das Wirken des Geistes in dieser Zeit. Scheinbar war der Heilige Geist laut Johannes 16,7 noch gar nicht richtig da, denn Jesus musste ja erst in den Himmel gehen, sich zur Rechten des Vaters setzen und sagen: „So, Heiliger Geist, jetzt ist deine Zeit. Ich komme gerade von der Erde, jetzt musst du dorthin und mich vertreten.“ So brach also die Zeit des Heiligen Geistes bei uns an.
Ist diese Formulierung falsch? Nein, ich denke nicht. Dennoch können viele oft so gar nichts mit dem Heiligen Geist anfangen. Er scheint wie ein großes Geheimnis zu sein. In 5. Mose 29,28 (bzw. 29) geht es um genau dieses Geheimnis. Dort heißt es sinngemäß: Was verborgen ist, das ist des Herrn. Danach brauchen wir gar nicht zu suchen. Aber was geoffenbart wird, das gehört uns, unseren Kindern und unseren Kindeskindern für ewig.
Wenn Gott etwas offenbart, dann dürfen wir es annehmen. Und wir wollen uns heute die Offenbarung des Heiligen Geistes ein bisschen genauer ansehen. Woher kommt der Heilige Geist eigentlich? Es ist ja nicht so, dass es den Heiligen Geist erst seit dem Neuen Testament, seit Pfingsten gibt. Den Heiligen Geist gibt es schon seit ewigen Zeiten.
Schon im ersten Buch Mose, Kapitel 1, Vers 2 steht: Und als Gott die Erde gemacht hat, schwebte der Geist Gottes über den Wassern. Hey, da hat es noch gar keine Menschen gegeben, noch nicht einmal eine einzige lebende Zelle von irgendwelchen Lebewesen! Und der Heilige Geist war schon da. Er ist also absolut nichts Neues, er hat nur damals anders gewirkt.
Damit dieses Thema nicht zu langweilig oder anstrengend wird und niemand völlig fix und fertig nach Hause geht, weil die Predigt zu lang war, halte ich mir die Zeit ein wenig im Blick. Ich möchte euch ja schonen.
Ruach – Der unsichtbare Wind Gottes
Wir fügen das Wort „Heiliger“ als Zusatz hinzu, weil der Geist Gott ist. Gott ist heilig, Jesus ist heilig, und wenn der Heilige Geist Gott ist, dann ist er natürlich auch heilig. Wie wird er nun ganz am Anfang der Bibel beschrieben? Der Geist schwebte über den Wassern. Dort wird im Hebräischen das Wort „Ruach“ benutzt.
„Ruach“ lässt sich auf Deutsch am besten mit Geist, Wind, Atem oder Kraft übersetzen. Der Heilige Geist ist unsichtbar. Aber woher wusste Mose, als er das niederschrieb, dass der Geist Gottes dort schwebte? Wenn man ihn nicht sieht, wie soll man ihn erkennen?
Nun, einen Wind oder einen Hauch sieht man auch nicht, aber man spürt ihn ganz deutlich. Wenn ich dich anhauche, kannst du das zwar nicht sehen, aber wenn ich direkt vor dir stehe, wirst du sofort merken, ob ich mir die Zähne geputzt habe oder nicht. Vor allem, wenn ich vorher Knoblauch gegessen habe, wirst du diesen Hauch extrem spüren! Den Wind sieht man nicht, aber man sieht seine Auswirkungen. Wenn er stärker weht, fangen die Bäume an zu wackeln. Man sieht, dass Energie und Kraft dahinterstecken.
Ausrüstung für den Dienst: Mose und die 70 Ältesten
Damit wir einen Bezug zu diesem Heiligen Geist bekommen und verstehen, dass er nicht erst im Neuen Testament aus dem Nichts aufgetaucht ist, schauen wir in das Alte Testament. Wenn wir verstehen, womit wir es zu tun haben, wissen wir auch, was passiert, wenn wir heute mit ihm in Berührung kommen.
Im Alten Testament hatte das Wirken des Heiligen Geistes in Bezug auf Menschen immer, wirklich immer, eine Auswirkung auf den Dienst. Es gab diese eine Wirkungsweise bei der Schöpfung, wo er dabei war. Aber wenn er auf Menschen kam, ging es immer um Aktivität und Dienst. Und dieses Wirken war beschränkt. Der Heilige Geist manifestierte sich nur in Menschen, die von Gott für eine ganz bestimmte Aufgabe bestimmt wurden. Dieses Erleben war nur bestimmten Gruppen von Menschen vorbehalten.
Ein wunderbares Beispiel steht in 4. Mose, Kapitel 11. Als Mose im Dienst stand und ihm die Arbeit und die Leitung des Volkes völlig über den Kopf wuchsen, stellte der Herr ihm Leute zur Seite, die ihm helfen sollten. Das waren an die 70 Älteste oder Diener. Da kam der Heilige Geist von Mose – oder besser gesagt durch Mose – über diese 70 Männer. Es war nicht Moses eigener menschlicher Geist, sondern der Heilige Geist.
Und interessanterweise passierte Folgendes, als der Geist über sie kam: Sie fingen an zu weissagen, im Dienste des Leitens des Volkes.
„Hitnaba“ – Völlig aus dem Häuschen
Hier stoßen wir auf ein interessantes Phänomen der Sprache. Im Deutschen haben wir oft dieses Wort „weissagen“, wenn sich der Heilige Geist im Alten Testament bei Propheten oder Richtern manifestiert hat. Aber eigentlich ist das ein völlig falsches, unzureichendes deutsches Wort. Dafür gibt es im Grunde kaum eine passende Übersetzung.
Im Hebräischen steht an diesen Stellen, wenn der Heilige Geist über Menschen kam und sich bemerkbar machte, das Wort „Hitnaba“. Was genau ist Hitnaba? Leider wird es in manchen deutschen Bibeln mit „verzückt“ oder eben „sie weissagten“ übersetzt. Das trifft es alles nicht richtig.
Ich sage es euch mal in meiner Heimatsprache, denn ich bin gebürtiger Schwabe. Hitnaba bedeutet: Völlig aus dem Häuschen sein!
Diese Personen waren völlig aus dem Häuschen. Man kann sich dabei denken, was man will, aber es war genau so. Wenn der Heilige Geist in diesen Prophetengruppen oder bei den Richtern gewirkt hat, dann steht da im Hebräischen immer wieder „Hitnaba“. Sie weissagten nicht einfach nur fromm vor sich hin, sie waren nicht einfach nur leicht verzückt. Wenn der Heilige Geist über einen kommt, dann bist du völlig aus dem Häuschen. Du wirst von ihm geführt und übernommen.
Exstatische Auswirkungen: Wenn Gott unsere Ordnung durchbricht
Das ist für uns hochinteressant und oft schwer verdaulich. Wir im Deutschen mögen es, wenn alles geordnet abläuft. Alles muss seine absolute Ordnung und seine Richtigkeit haben. Wir können oft überhaupt nicht verstehen, wie Gott so etwas machen kann. Wir denken uns: Der Heilige Geist muss doch ruhig sein! Er muss gelassen sein. Vor allem im Gottesdienst! Da darf der Pfarrer predigen, da darf sonst keiner reden, da darf niemand reinreden, da muss alles streng seine Ordnung haben.
Aber wisst ihr was? Dem Herrn hat sich darum nicht geschert. Wenn der Heilige Geist über die 70 Ältesten und überall im ganzen Alten Testament über Propheten, Geistträger und Könige kam, dann war immer „Hitnaba“ angesagt. Sie waren völlig aus dem Häuschen.
Die theologische Wissenschaft hat für dieses Phänomen in der Bibel einen eigenen Begriff gefunden. Man nennt das die „extatischen, exstatischen Auswirkungen des Geistes“.
Da merken wir plötzlich auf und denken: „Meine Güte, passt sowas überhaupt zu Gott? Passt so ein unkontrolliertes Verhalten überhaupt in einen Gottesdienst?“
Die Antwort der Bibel ist eindeutig: Es hat Gott gepasst. Ihm war diese menschliche Ordnung wurscht. Die Propheten, die damaligen Geistträger – sie waren immer wieder in Hitnaba. Der Geist Gottes kam über sie, durchströmte sie als unsichtbare, aber gewaltige Kraft („Ruach“), und die logische, sichtbare Konsequenz war, dass sie völlig aus dem Häuschen waren. Diese exstatischen Auswirkungen des Geistes ziehen sich durch die gesamte Geschichte derer, die Gott für seinen Dienst erwählt, erfüllt und ausgerüstet hat.
(Transkribiert und zusammengefasst von KI)
