Der Skandal der Gnade: Wie wir zu Gottes echter Familie wurden
Gottesdienst vom 01.03.2026 | Prediger: David Messerschmidt
Direkt zum Einstieg, ohne irgendwelche großen Vorworte, schlagt mit mir bitte Matthäus 28 ab Vers 16 auf. Das ist die Zeit nach der Kreuzigung: Jesus ist wieder auferstanden, und die Jünger werden jetzt nach der Auferstehung von Jesus beordert. Er sagt folgendes:
„Die elf Jünger aber gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie bestellt hatte. Und als sie ihn sahen, warfen sie sich anbetend vor ihm nieder. Etliche aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Macht im Himmel und auf Erden. So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker und tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Interessant ist hier: „auf den Namen“, nicht „auf die Namen“. Es gibt nur einen Namen, und dieser Name ist der des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Warum teilen die drei sich einen Namen?
„Und lehrt sie alles halten, was ich euch befohlen habe, und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Weltzeit. Amen.“
Das ist ein Aufruf von Jesus zu evangelisieren. Und jetzt ist die Frage: Was bedeutet evangelisieren? Und das ist heute mein Thema.
Die Bibel ist ein gigantisches Werk. Ein Thema ist oft nicht so einfach, wie es im ersten Moment scheint, und vor allem sehr komplex. Ich kann in einer einzigen Predigt niemals ein Thema komplett abgrasen. Dafür ist die Bibel viel zu groß. Und in einer gesamten Laufbahn als Prediger kannst du nicht die gesamte Bibel mit all ihren Facetten widerspiegeln. Aber das ist schön! Das sorgt dafür, dass wir immer etwas Neues in der Bibel erkennen.
Also, was bedeutet Evangelium? Evangelium ist die frohe Botschaft, die gute Nachricht. Und jetzt ist die Frage: Die gute Nachricht wovon? Dass Jesus am Kreuz für uns gestorben und auferstanden ist, dass unsere Sünden uns vergeben wurden? Dass Gott einen Weg und einen Plan hat? Dieses Wort Evangelium beinhaltet so viel, im Grunde die gesamte Botschaft der Bibel. Ich versuche heute, uns gemeinsam dieser einen Facette des Evangeliums mit verschiedenen Bibelversen zu nähern.
Hat der Gott des Alten Testaments Kinder?
Hat Gott, der Gott des Alten Testaments – Jahwe – Kinder? Wenn ich jetzt nach Israel gehe und einen orthodoxen Juden frage: „Hat Jahwe Kinder?“, dann wird er sagen: „Nein. Auf gar keinen Fall.“ Aber wenn ich zu einem Christen gehe und frage: „Hat unser Gott Kinder?“, dann wird die Antwort lauten: „Ja.“
Warum ist das so? Wir haben doch dasselbe Alte Testament.
Augenscheinlich redet Gott im Alten Testament niemals von seinen Kindern. An einer Stelle sagt er über Israel, das sei „wie“ seine Kinder, aber das ist nur im übertragenen Sinne gemeint, da sind auch wir Christen uns einig. Im ganzen Alten Testament hat Gott augenscheinlich keine Kinder.
Aber jetzt wird es freaky. Und das ist wichtig. Das Alte Testament redet sehr wohl von Gottessöhnen. Schlagt mal mit mir Genesis 6 auf (1. Mose 6, ab Vers 1). Das ist die Zeit, nachdem Adam und Eva aus dem Garten Eden geworfen wurden.
„Und es geschah: Als sich die Menschen zu mehren begannen auf der Erde und ihnen Töchter geboren wurden, da sahen die Gottessöhne, dass die Töchter der Menschen schön waren, und sie nahmen sich von allen jenen zu Frauen, die ihnen gefielen.“
Ein interessantes Wort: Gottessöhne. Ich dachte, Gott hätte keine Kinder im Alten Testament? Hier steht das hebräische Wort „Elohim“ (bzw. Söhne Gottes/Bene Elohim).
Nächste Bibelstelle: Deuteronomium (5. Mose) 32, ab Vers 7. Mose schreibt hier:
„Denk an die Tage der Vorzeit, achte auf die Jahre der vorhergehenden Geschlechter. Frag deinen Vater, der wird es dir verkünden. Deine Alten, die werden es dir sagen. Als der Allerhöchste den Heiden ihre Erben austeilte, als er die Menschenkinder voneinander schied, da setzte er die Grenzen der Völker fest, nach der Zahl der Kinder Israels.“
In Vers 8 heißt es in vielen Übersetzungen „nach der Zahl der Kinder Israels“. Der Kontext hier ist der Turmbau zu Babel. Gott hat die Menschen in verschiedene Sprachen und Völker aufgeteilt. Das Interessante ist, was ältere Manuskripte an dieser Stelle sagen: Da steht eigentlich gar nicht „Söhne Israels“, sondern „Söhne Gottes“. Gott hat die Völker nach der Zahl der Söhne Gottes aufgeteilt.
Wenn wir im Alten Testament weiterlesen, sehen wir, dass diese Söhne Gottes nichts Gutes getan haben. Wer sind sie? Es sind keine Menschen. Es sind Engel – abtrünnig gewordene Engel. Wesen aus dem Reich Gottes, die eine Aufgabe hatten, diese Welt zu verwalten, und die abtrünnig geworden sind.
Wir nennen Gott oft „Jahwe Zebaot“, den Herrn der Heerscharen. Es gibt nicht nur eine physische, materielle Welt, sondern auch eine geistige Welt. Und diese geistige Welt ist nicht leer. Gott hat dort ein riesiges Königreich. Unser Gott ist der König und Herrscher dieser geistigen Welt, und sie ist bevölkert mit anderen geistigen Wesen, Engeln und Dämonen. Gott nennt diese Bewohner im Alten Testament seine Familie (seine Söhne). Aber diese Familie hat rebelliert und die Menschheit korrumpiert.
Der Skandal der Gnade im Neuen Testament
Was hat das Ganze jetzt mit dem Evangelium zu tun? Warum sagen wir Christen: „Wir sind Gottes Familie“, während der Jude sagt: „Gott hat keine Familie“?
Wir reisen in die Zeit von Jesus Christus. Dieses eben beschriebene Weltbild der geistigen Mächte war zur Zeit Jesu für jeden selbstverständlich. Und dann stellt sich Jesus in Matthäus 12 plötzlich hin und sagt etwas Unglaubliches.
Matthäus 12, ab Vers 46:
„Während er aber noch zu dem Volk redete, siehe, da standen seine Mutter und seine Brüder draußen und wollten mit ihm reden. Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden. Er aber antwortete und sprach zu dem, der es ihm sagte: Wer ist meine Mutter und wer sind meine Brüder? Und er streckte seine Hand aus über seine Jünger und sprach: Siehe da, meine Brüder und meine Mutter! Denn wer den Willen meines Vaters im Himmel tut, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.“
Wisst ihr, wie unfassbar radikal dieser Satz war? Im Alten Testament ist die Familie Gottes geistig und rebellisch. Niemals Menschen. Und plötzlich steht Jesus da, Gott selbst, und sagt: „Siehe da, meine Familie.“
Gott hat sich von seiner rebellischen, geistigen Familie getrennt. Er hat jetzt eine neue Familie, und die hat er sich erkauft durch sein Blut! Das sind wir. Wir sind Gottes Familie. Für die damalige Welt war das ein Skandal. Der Schöpfer des Universums hat sich nicht nur Einzelne auserwählt, sondern er geht ans Kreuz, stirbt, lässt sein Blut fließen und kauft sich seine Familie teuer mit seinem eigenen Leben zurück.
Die geistige, rebellierende Welt hasst uns Menschen. Als Jesus in diese Welt kam, dachten sie vielleicht, er will nur ein bisschen predigen. Nein, er ist gestorben, um sich seine Familie zu erkaufen. Durch sein Blut sind wir Teil seiner Familie!
Das ist das Evangelium: Wir sind Teil der Familie Gottes. Jesus sagt, wer in ihm ist, in dem ist der Vater. Das konnte nie ein Engel von sich behaupten. Jetzt, in diesem Moment, ist die Gegenwart dieses allerheiligsten Gottes in dir anwesend. Wir sind der Tempel Gottes. Das ist der Skandal der Gnade!
Unsere Aufgabe: Familie bauen
Was fordert uns Jesus also in Matthäus 28 auf? Sollen wir in die Politik gehen? Sollen wir Widerstandskämpfer werden?
Seine Aufgabe für uns lautet: „So geht nun hin und macht zu Jüngern alle Völker…“
Wir sollen Familie machen! Unsere Aufgabe ist es, diese Welt mit Familie zu bevölkern. Wenn ich ein Kind Gottes bin, bin ich kein Sklave, kein Diener, kein bloßer Arbeiter. Ich bin ein Sohn Gottes. Und wenn ich ein Sohn Gottes bin, dann ist jeder andere in dieser Gemeinde mein Bruder und meine Schwester. Wir gehören zusammen. Wir wurden alle in diesen einen Baum eingepfropft.
In 1. Korinther 12, Vers 13-14 heißt es:
„Denn wir sind alle durch einen Geist in einen Leib hineingetauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, wir sind alle getränkt worden zu einem Geist. Denn auch der Leib ist nicht ein Glied, sondern viele.“
Wir gehören zusammen und wir brauchen einander. In der Gemeinde übernimmt jeder Aufgaben. Ob jemand putzt, Kaffee kocht, die Technik macht oder predigt – nichts davon ist eine „niedere Tätigkeit“. Es ist alles Gemeindearbeit. Nur wir alle zusammen sind Gemeinde.
Stand, Rang, Reichtum, weltliche Ehre – das ist alles völlig unwichtig. Wir sind Brüder und Schwestern.
Vers 26 sagt: „Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit; und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit.“
Wenn jemand hinfällt, erschreckt die ganze Gemeinde. Niemand interessiert sich in dem Moment für ein teures Laptop. Wenn einer aus unserer Familie leidet, leidet der ganze Leib. „Ihr aber seid der Leib Christi.“ Wir sind der Leib Gottes auf Erden. Sein Fleisch und Blut.
Ich möchte, dass wir uns gegenseitig lieben, dass wir uns tragen und auch einander ertragen. Wir sind Gottes Familie. Wir achten aufeinander und bauen uns auf. Das ist das Evangelium. Familie Gottes durch Jesus Christus, wie im Himmel, so auf Erden.
Gebet
Danke, Herr, für deine Gnade, deine Barmherzigkeit, deine Liebe, deine Geduld, dass wir eine Familie sind. Und wenn wir evangelisieren, dann tun wir das nicht um der Zahlen willen, nicht für mehr Geld oder Einfluss. Es geht nur darum, unsere himmlische, reale Familie zu vergrößern. Mach dieses Band der Liebe zwischen uns stärker. Fülle uns mit deiner himmlischen Liebe, die diese Welt nicht versteht, aber spürt. Mache uns immer mehr zu einer Familie, zu einem Leib. Hier vor Ort, in unserer Region, in ganz Deutschland und auf der gesamten Welt, im Namen Jesus Christus, des Lebendigen, des Auferstandenen. Amen.
(Transkribiert und zusammengefasst von KI)
