Christus, unser Fürsprecher – Die vergessene Kraft der Fürbitte

Gottesdienst vom 08.02.2026 | Prediger: David Messerschmidt

Einen wunderschönen guten Morgen von meiner Seite aus. Es freut mich heute hier zu sein. Es freut mich tatsächlich heute hier zu sein, weil es echt lange her ist, dass ich das Recht hatte zu predigen. Und das macht auch Spaß. Predigen macht Spaß, und deswegen freue ich mich wirklich, wieder von hier vorne in eure Gesichter zu schauen. Nach so einem tollen Lobpreis. Ja, hat richtig Spaß gemacht. Also, ich hab natürlich immer Spaß beim Lobpreis, aber heute hatte ich besonders viel Spaß. Hat richtig Freude gemacht, Gott Musik zu machen. Geht’s euch auch so?

Ich will gar nicht groß umschweifen. Neulich – ja, ich weiß, jeder Prediger fängt mit „neulich“ an – habe ich eine Predigt auf Englisch gehört von einem Theologen, den ich gern mag. Er heißt Gavin Ortlund. Er hat gepredigt über „The Intercession of Christ for the believer and his body“. Eine tolle Predigt. Und irgendwann habe ich mich gefragt: Was ist eigentlich „Intercession“?

Natürlich weiß ich, was das Wort bedeutet. To intercede heißt „fürsprechen“ oder „sich einsetzen“. Aber im christlichen Kontext war mir das Wort nie wirklich aufgefallen. Also habe ich mir die Bibelstellen angeschaut, die er benutzt hat – auf Englisch. Und da stand immer wieder dasselbe Wort: to intercede. Als ich dann in meine deutsche Bibel geschaut habe, habe ich gemerkt: Da stehen unterschiedliche Wörter. Deswegen ist mir das nie aufgefallen.

Es geht also um das Fürsprechen oder das Einsetzen Christi für die Gemeinde, für den Gläubigen.


Hebräer 7 – Christus als Hohepriester

Schlagen wir Hebräer 7 auf, ab Vers 23.

Hier erklärt der Autor – traditionell Paulus zugeschrieben – das neue Priestertum Jesu. Nicht nach der levitischen Ordnung, sondern nach der Ordnung Melchisedeks. Die früheren Priester wurden zahlreich, weil sie durch den Tod am Bleiben gehindert wurden. Jesus aber bleibt in Ewigkeit und hat ein unübertragbares Priestertum.

Und dann Vers 25:

„Daher kann er auch diejenigen vollkommen erretten, die durch ihn zu Gott kommen, weil er für immer lebt, um für sie einzutreten.“

Christus tritt für uns ein.

Im Judentum gab es den Versöhnungstag, Jom Kippur. Der Hohepriester reinigte zuerst sich selbst von seiner Sünde, um dann für das Volk einzutreten und Versöhnung zu erlangen. Jesus jedoch muss sich nicht reinigen. Er ist heilig, unschuldig, unbefleckt. Er brachte sich selbst als Opfer dar – ein für alle Mal.

Doch hier stellt sich die Frage: Ist dieses „Eintreten“ nur sein Opfertod am Kreuz? Oder gibt es noch mehr?


1. Johannes 2 – Unser Fürsprecher

Lesen wir 1. Johannes 2, Vers 1–2:

„Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten. Und er ist das Sühneopfer für unsere Sünden.“

Hier ist etwas Entscheidendes: Johannes schreibt „und“. Er ist Fürsprecher und Sühneopfer. Nicht „denn“ oder „weil“, sondern „und“. Das bedeutet: Sein Fürsprechen ist mehr als nur der Kreuzestod.

Im Griechischen steht hier das Wort „Parakletos“. Dasselbe Wort, das wir sonst für den Heiligen Geist verwenden – Tröster, Beistand, Fürsprecher. Und plötzlich wird Jesus selbst als Parakletos bezeichnet.

Was bedeutet das?

Wenn die biblischen Autoren ein Wort wählen, dann nicht zufällig. Also müssen wir ernst nehmen: Christus ist unser Fürsprecher beim Vater.


Römer 8 – Er tritt für uns ein

Römer 8, Vers 34:

„Christus ist es, der gestorben ist, ja noch mehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist, der auch für uns eintritt.“

Hier wird es ganz klar getrennt:

  • Er ist gestorben.
  • Er ist auferstanden.
  • Er sitzt zur Rechten Gottes.
  • Und er tritt für uns ein.

Das ist eine aktive, andauernde Handlung.

Und hier wurde mir plötzlich warm ums Herz.


Fürbitte – etwas, das Gott für uns tut

Im Englischen ist „intercession“ ein normales kirchliches Wort. Im Deutschen verwenden wir „Fürbitte“.

Und mein Leben lang dachte ich: Fürbitte ist etwas, das ich für andere tue.

Aber hier wird deutlich: In erster Linie ist Fürbitte etwas, das Christus für mich tut.

Nicht einmalig. Sondern ständig.

Es gibt eine „Fürbitte im Signal“ – seine Wunden, die für sich sprechen.

Und es gibt eine „Fürbitte im Wort“ – sein tatsächliches Eintreten vor dem Vater.


Sacharja 3 – Eine himmlische Gerichtsverhandlung

Sacharja 3 beschreibt eine Vision:

Der Hohepriester Jeschua (Jesus) steht vor dem Engel des Herrn. Satan – der Ankläger – steht daneben, um ihn anzuklagen.

Es wirkt wie eine Gerichtsverhandlung.

Der Angeklagte.
Der Ankläger.
Der Richter.
Der Verteidiger.

Und plötzlich verschwimmen die Rollen. Der Engel des Herrn vergibt Sünden. Der Herr selbst spricht in der dritten Person. Alles wird verwirrend – bis man erkennt:

Richter, Ankläger und Verteidiger sind derselbe Gott – dreieinig.

Was für eine absurde Gerichtsszene:

Der Ankläger klagt dich an.
Der Richter spricht dich frei.
Und dein Anwalt ist derselbe Gott.

Warum? Weil die Strafe bereits getragen wurde.

Das ist Fürbitte.


Lukas 22 – „Ich habe für dich gebetet“

Beim letzten Abendmahl sagt Jesus zu Petrus:

„Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt, euch zu sichten wie den Weizen. Ich aber habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht aufhöre.“

Jesus wusste vom Versagen.
Er wusste von der Krise.
Und er betete.

Wenn er für Petrus gebetet hat – warum nicht auch für dich?

Wenn du in einer Lebenskrise steckst.
Wenn du dich selbst verurteilst.
Wenn du von Selbsthass zerfressen bist.

Dann tritt Christus jetzt gerade für dich ein.

Nicht nur durch sein vollendetes Werk am Kreuz.
Sondern aktiv.
Liebend.
Fürbittend.


Und was bedeutet das für uns?

Christus verlangt nichts von uns, was er nicht selbst tut.

Wenn er Fürbitte für uns tut – warum sollten wir nicht Fürbitte füreinander tun?

Für Menschen in unserer Gemeinde.
In unseren Familien.
In unserem Umfeld.

Fürbitte ist keine Schande.
Es ist keine Schwäche, darum zu bitten.
Dafür sind wir Gemeinde.

Lasst uns füreinander einstehen.

Denn gerade jetzt – in diesem Moment – tritt Christus für uns ein.

Aus Liebe.

Amen.

(Transkribiert und zusammengefasst von KI)

Ähnliche Beiträge