Geben ist seliger als Nehmen

Gottesdienst vom 18.01.2026 | Prediger: Georg Messerschmidt

Lasst uns zu Beginn den Hauptbibeltext für heute lesen. Er steht in Apostelgeschichte 20, Verse 35 und 36. Hier spricht Paulus:

„Und ich habe euch in allem gezeigt, dass man so arbeitend sich der Schwachen annehmen müsse und an die Worte des Herrn Jesus denken, wie er selbst gesagt hat: Geben ist seliger als Nehmen. Und als er dies gesagt hatte, kniete er nieder und betete mit ihnen allen.“

Ich möchte das heute ein Stück weit nachahmen. Genau wie Paulus es getan hat. Er kniete nieder und betete mit ihnen allen. Lasst uns jetzt kurz die Augen schließen und gemeinsam beten.

Herr, du bist der Gott der Gnade, der Kraft und der Wundertaten. Du bist derjenige, der jedem Einzelnen von uns begegnen will – genau heute, genau in unserer Situation. Danke, dass wir nirgends richtiger sein können als hier im Gottesdienst, wo dein Wort gepredigt wird, wo dein Wort gehört wird und Glauben sowie Zuversicht in unseren Herzen aufbaut. Danke, Jesus, dass du Großes unter uns tun wirst. In deinem Namen, Amen.

(Und ja – im Alter ist man nicht mehr ganz so gelenkig. Ich bin nicht alt, sagen meine Kinder. Ich muss nur wieder fitter werden. Und sie haben recht.)


Wer bekommt gerne Geschenke?

Eine Frage: Wer bekommt gerne Geschenke? Wer hat an Weihnachten Geschenke bekommen? Hebt doch mal die Hände. Ja – alle. Auch ich habe Geschenke bekommen, und ich habe mich sehr darüber gefreut.

Gerade Kinder leben oft wochenlang, manchmal monatelang in der Erwartung: „An Weihnachten gibt es Geschenke!“ Aber auch Erwachsene freuen sich darüber – es sei denn, sie leben sehr isoliert und bekommen keine. Das ist dann eine traurige Geschichte.

Geschenke zu bekommen macht Freude. Und doch hören wir hier diesen Satz von Jesus, den Paulus zitiert:
„Geben ist seliger als Nehmen.“

Interessant ist: Wir finden diesen Satz so nicht direkt in den Evangelien. Hat Jesus das wirklich gesagt? Widerspricht sich die Bibel? Nein. Johannes schreibt im Johannesevangelium, dass man unmöglich alles aufschreiben könnte, was Jesus gesagt und getan hat – die Bücher der Welt würden es nicht fassen. Jesus hat es also sehr wohl gesagt.

Letztes Mal haben wir darüber gesprochen: Gott ist Liebe. Er liebt dich. Und du bist das Gegenüber, das geliebt wird. Gott hofft, dass du ihn zurückliebst, aber er fordert es nicht ein – das ist deine freie Entscheidung.

Wir sind im neuen Jahr, und das Jahreswort spricht davon, dass Gott Neues schaffen will. Und heute möchte ich mit euch vielleicht etwas Neues anschauen – zumindest für diejenigen, die nicht so bibelkundig sind.

Dieser Satz „Geben ist seliger als Nehmen“ überrascht. An Weihnachten freuen wir uns über Geschenke – und dann sagt Jesus so etwas. Warum?


Was bedeutet „selig“?

„Selig“ ist ein tiefes Empfinden. Ein Zustand, den man nicht ständig erlebt. So ähnlich wie das Hochgefühl, wenn man ein Geschenk bekommt. Doch Jesus spricht von einer tieferen, beständigeren Seligkeit.

Ich möchte heute nicht nur über Geld reden, sondern über Geben allgemein: Zeit, Aufmerksamkeit, Hilfe, Freundlichkeit.

Ein Neurowissenschaftler aus Zürich, Professor Philipp Tobler, hat 2017 eine wissenschaftliche Studie dazu durchgeführt. Er wollte wissen: Stimmt das wirklich – macht Geben glücklicher als Nehmen?

Das Ergebnis war eindeutig:
Menschen, die sich verpflichteten, Geld für andere auszugeben, waren glücklicher als diejenigen, die Geld nur für sich selbst verwendeten. Im Gehirn wurden genau die Regionen aktiv, die mit Glück, Belohnung und Empathie verbunden sind. Geben aktiviert Glück.

Die Wissenschaft bestätigt also, was Jesus schon vor 2000 Jahren gesagt hat.


Weihnachten ist einmal im Jahr – Geben ist das ganze Jahr möglich

Weihnachten kommt nur einmal im Jahr. Dieses Hochgefühl, wenn man beschenkt wird, ist kurz. Doch der Herr möchte, dass wir ein ganzjähriges Wohlbefinden erleben – eine innere Stabilität, eine Seligkeit, die nicht von Umständen abhängt.

Und plötzlich entdecken wir einen unerwarteten Schlüssel: Geben.

Nicht nur Geld. Zeit. Hilfe. Aufmerksamkeit. Freundliche Worte.


Ein Prinzip aus der Bibel

Im 5. Buch Mose 16,17 heißt es sinngemäß:
Jeder soll geben nach dem Segen, den der Herr ihm gegeben hat.

Das bedeutet: Du gibst nichts, was du nicht selbst empfangen hast. Alles, was wir haben, kommt letztlich von Gott. Und genau daraus dürfen wir weitergeben.

Jesus sagt in Lukas 6,38:

„Gebt, dann wird euch gegeben werden: ein gutes, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß.“

Geben bringt Empfangen hervor – oft auf ganz unerwartete Weise.


Persönliche Erfahrungen

Als ich 17 war, bekam ich mein erstes Ausbildungsgehalt: 170 DM, bar im Umschlag. In der Fußgängerzone saß ein Bettler. Innerlich spürte ich: Gib.
Ich gab ihm einen 50-DM-Schein – mit innerem Kampf, aber auch mit Frieden danach. Ich bin nie arm geworden. Aber ich habe etwas erlebt, das mir niemand nehmen konnte: tiefe innere Seligkeit.

Viele Jahre später gab ich einer alleinerziehenden Mutter aus unserer Gemeinde mein Auto, einen Ford Fiesta. Sie war verzweifelt, brauchte dringend Mobilität. Ich habe es ihr einfach gegeben. Sie war gesegnet. Und ich auch.

Jahre später, als ich selbst dringend ein Auto brauchte, hat Gott mir eines geschenkt – besser, als ich es mir je hätte leisten können. Gott vergisst nichts.


Gottes Herz

Gott selbst ist der größte Geber.
„Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab…“

Geben ist kein Verlust. Es ist ein göttliches Prinzip. Wir sind nicht geschaffen für Egoismus, sondern für Gemeinschaft. In einer Gesellschaft, die sagt „Ich zuerst“, sagt Gott: So wirst du nicht glücklich.


Eine Einladung

Was kannst du geben?
Zeit. Ein Lächeln. Hilfe. Ein offenes Ohr. Ermutigende Worte. Vielleicht Geld. Vielleicht einfach Aufmerksamkeit.

Das größte Wunder geschieht dabei in dir selbst.


Abschlussgebet

Herr Jesus, danke, dass du den Himmel verlassen hast und dich hingegeben hast für uns. Danke, dass dir unser inneres Wohlbefinden wichtig ist. Ich bete für jeden Einzelnen, dass diese Seligkeit, diese innere Gewissheit spürbar wird. Dass niemand heute geht, ohne zu wissen: Gott hat mich gesehen. Du bist bei uns, Herr. Und das genügt. Amen.

(Transkribiert und zusammengefasst von KI)

Ähnliche Beiträge